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Wer zahlt was in England, Frankreich, Spanien, Schweiz - eine Übersicht E-Mail
Geschrieben von: deutschlandfunk.de   

Großbritanien: Auswärtsfahrt im Gratis-Bus

Von Silvia Engels

In Großbritannien sind die Kosten für die Sicherheit klar geregelt. In und um die Stadien müssen die Vereine zahlen, am Bahnhof und in der Innenstadt der britische Steuerzahler. Doch auch hier wird immer wieder über die Polizeikosten diskutiert.

Fans des Fußball-Erstligisten Swansea City bringen sich in Stimmung. Sie freuen sich auf die Begegnung mit dem Lokalrivalen Cardiff City. Die Anhänger beider walisischen Vereine sind tief verfeindet. Bei früheren Begegnungen haben sie nicht nur gejubelt, sondern sich blutige Massenschlägereien geliefert. Und deshalb müssen die Swansea-Fans heute Bus fahren.

Alle Fans aus Swansea kommen nur unter einer Bedingung ins Stadion in Cardiff: Sie müssen die rund 55 Kilometer, die beide Städte trennen, in einem von 60 Gratis-Bussen zurücklegen. Eskortiert und überwacht von Dutzenden Polizeiwagen. Anschließend geht es direkt im Bus zurück nach Hause. Das Konzept geht auf: Die rivalisierenden Fan-Gruppen treffen nicht aufeinander. Gewaltexzesse bleiben aus.

Kosten für Einsätze am Bahnhof zahlt der Steuerzahler

Regelungen wie diese gelten laut einer Vereinbarung der englischen Football Association mit den Behörden bei sogenannten "Hoch-Risiko-Spielen", also Begegnungen von Vereinen mit aggressiven Fan-Gruppen. Das System funktioniert, aber die Kosten sind hoch. Den Bustransfer bezahlte der Verein Swansea City, doch die intensive Polizeibewachung trägt der britische Steuerzahler.

Seit einem Rechtsstreit 2008 steht nämlich fest: Die Fußball-Vereine der beiden obersten Ligen zahlen für den Einsatz der Polizei in den Stadien und in den umliegenden Straßen. Aber sie müssen nicht für eine mögliche Polizeibewachung am weiter entfernten Bahnhof oder in der Innenstadt aufkommen. Zu Beginn der Saison beraten die Clubs auf regionaler und nationaler Ebene mit der Polizei vor Ort über die Sicherheitsrisiken der jeweiligen Spiele. Sie verständigen sich darauf, ob und wie viele Polizeikräfte im und um das Stadion notwendig sind. Meist geht die Rechnung auf.

Randale bewegt sich vom Stadion weg

Doch auch in Großbritannien spielen sich Krawalle von gewaltbereiten Fans zunehmend nicht mehr in Stadien ab. Hooligans randalieren eher an Verkehrsknotenpunkten oder Innenstädten vor und nach den Spielen. Die Kosten für die Polizeieinsätze steigen. Der Verband der lokalen Polizeipräsidenten forderte deshalb 2012 eine Änderung. Er will auch diese Kosten den Vereinen in Rechnung stellen.

Die Verantwortlichen der englischen Football League lehnen das bis heute ab. Sicherheitskosten abseits der Stadien müsse der Staat zahlen, heißt es in einer Stellungnahme. Sie verweisen darauf, dass der englische Profi-Fußball ohnehin pro Jahr umgerechnet 1,2 Milliarden Euro Steuern an den Staat zahlen würde.

Polizei und Vereine versuchen deshalb weiter, vorausschauend zu planen und in Einzelfällen die Polizeipräsenz hochzufahren. Zumindest das Problem der Hochrisiko-Begegnung zwischen den Clubs in Swansea und Cardiff werden sie in der nächsten Saison aber nicht mehr haben: Swansea bleibt nämlich erstklassig, Cardiff City ist aus der Premier League abgestiegen.

 

Schweiz: Schweizer Klubs in der Verantwortung

Von Rainer Hartmann

Auch in der Schweiz stehen die hohen Polizeikosten für Fußballspiele in der Kritik (dpa / pa / Jensen)

In Deutschland wird noch darüber gestritten, die Vereine an den Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen zu beteiligen. Die Schweiz ist da bereits weiter: Zahlreiche Schweizer Städte bitten ihre lokalen Klubs schon heute zur Kasse.

Bern. Ostermontag. Es ist der Tag an dem der Cupfinal in der Hauptstadt stattfindet - die Schweizer Variante des DFB-Pokals. Zwei Rivalen treffen aufeinander: Der FC Basel spielt gegen den FC Zürich. Zürich gewinnt 2:0 nach Verlängerung. Aber das ist am Tag danach nicht das Thema. Im Mittelpunkt stehen die Fan-Krawalle vor und nach dem Spiel und die Frage: Wer trägt die Kosten von umgerechnet mehr als 400.000 Euro - vor allem für den massiven Sondereinsatz der Polizei?

Es war nicht das erste Mal, dass es zu Ausschreitungen in Bern kam. Deshalb sagte der Sicherheitsdirektor der Stadt: "Wir wollten diesen Cupfinal, wir wollten ihn immer als friedliches Volksfest, aber wir wollen ihn nicht um jeden Preis. Und nachdem wir jetzt zum zweiten Mal hintereinander die Scherben aufwischen mussten, ist vielleicht eine Denkpause angebracht."

Verband muss sich an Kosten beteiligen

Nach den üblen Erfahrungen mit dem Pokalfinale hat sich die Stadt Bern beim Schweizer Fußballverband abgesichert und vereinbart, dass sich der Verband ab sofort an den Sicherheitskosten beteiligen muss. 150.000 Euro sind für den Verband nach dem Spiel Basel gegen Zürich fällig geworden.

Für Alex Miescher, den Geschäftsführer des Fußballverbands, ist das aber kein Schuldeingeständnis: "Nein, das ist es explizit nicht. Es geht auch nicht um eine Schadenswiedergutmachung. Sondern es ist ein Anteil an den Sicherheitskosten, die die Stadt Bern und der Steuerzahler zu tragen hatte."

Der Schweizer Fußballverband reagiert verschnupft

Trotzdem ist man beim Schweizer Fußballverband verärgert, man fühlt sich in Bern nicht willkommen. Man will das Pokalfinale nicht mehr in Bern durchführen. Offen ist allerdings, ob sich der Verband mit anderen Städten auf bessere Konditionen einigen kann - zur Diskussion stehen Zürich, Basel und Genf.

Diese Schweizer Städte bitten ihre lokalen Klubs aber bereits heute zur Kasse. In Basel bezahlt der FC eine Pauschale an die Stadt - und zwar umgerechnet 1,50 Euro pro Zuschauer. Das ist Geld für die Bereitstellung der Polizei. Der FC Luzern überweist an die Stadt pauschal 500.000 Euro pro Jahr. Und ähnliche Modelle gibt es in Zürich, Thun und St. Gallen.

Diese Vereinbarungen zwischen Vereinen und Städten haben sich in den letzten Jahren entwickelt. Zu groß war der Ärger der Schweizer Bevölkerung, die nicht einsieht, weshalb die Kosten für immer größere Polizeieinsätze bei Fußballspielen mit ihren Steuergeldern bezahlt werden sollen. Die Klubs, die von den Einnahmen profitieren, sind in der Verantwortung.

 

Frankreich stellt Klubs Kosten in Rechnung

Von Christiane Kaess

In Frankreich müssen sich Fußballvereine schon länger an den Kosten für die Polizei beteiligen. Dabei ist die gesetzliche Regelung nicht nur auf den Fußball beschränkt.

Im Mai 2013 gewinnt Paris St. Germain den Titel "französischer Meister". Mehrere 10.000 Menschen haben sich mitten in Paris versammelt - es sollte fröhlich sein. Aber ein paar Hundert Hooligans machen das Fest zunichte. Randalierer schlagen Geschäfte ein und verwüsten sie - auch Autos werden zur Zielscheibe - genauso wie ein Touristenbus.

Das Ende des Abends: mehr als 30 Festnahmen und mehrere verletzte Polizisten. Wie viel PSG für so einen Polizeieinsatz ausgeben muss, dazu will der Club nichts sagen. 1995 wurde gesetzlich festgelegt, dass sich Vereine an den Sicherheitskosten bei Spielen beteiligen müssen. Die Begründung: die Aufgaben der Polizei gehen in solchen Fällen über ihre eigentlichen Verpflichtungen hinaus. Große Diskussionen hätte es bei der Einführung des Gesetzes nicht gegeben, erinnert sich Antoine Boutonnet, Chef der nationalen Einheit für den Kampf gegen Hooliganismus bei der Polizei: "Die Leute fanden das erst einmal normal, dass die Sicherheitskräfte, wenn sie eine private Veranstaltung schützen, vergütet werden. Die Besucher kaufen ja auch ein Ticket."

Nicht nur Fußballspiele werden in Rechnung gestellt

Und so werden Polizeikosten auch bei anderen Sportveranstaltungen, wie derzeit bei der Tour de France, bei Kulturveranstaltungen oder Demonstrationen genauso in Rechnung gestellt. 2010 mussten die Kosten für einen Polizisten pro Stunde sogar erhöht werden. Laut Angaben der Polizei von gut zwölf Euro auf jetzt etwa 20.

Was ein Verein letztendlich zahlt, wird anhand einer Risikoanalyse ermittelt: Welche Art von Fans, was für ein Spiel und wo findet es statt? Für die Saison 2012/2013 ergaben sich daraus für die Fußball-Klubs der ersten Liga durchschnittlich Kosten von fast 300.000 Euro - rechnet Antoine Boutonnet vor. Der Chefpolizist für Hooligan-Einsätze sieht in der Maßnahme einen positiven Effekt: "Wir nehmen damit die Klubs in die Pflicht. Die Sicherheitsfrage betrifft alle. Die Vereine können sich da nicht aus der Verantwortung ziehen. Und das zeigt Wirkung. Wir haben zum Beispiel die Anzahl der Polizisten im Einsatz bei Sportveranstaltungen reduziert."

Nach den massiven Ausschreitungen beim französischen Meistertitel von Paris St. Germain im letzten Jahr verlangten manche sogar, der Verein solle an den Kosten des angerichteten Schadens beteiligt werden. Als der Club in diesem Jahr wieder französischer Meister wurde, blieben Krawalle wie im Vorjahr aus.


Polizeieinsätze Europäischer Vergleich: Wer zahlt für die Sicherheit?

Von Matthias Friebe

Wer zahlt für die Polizei in Fußballstadien? (dpa / Friso Gentsch)

Bremen will die Kosten für die Sicherheitseinsätze bei Großveranstaltungen auf die Veranstalter umlegen. Das betrifft vor allem die Bundesliga. Wie sieht das eigentlich in Europa aus?

Im Stadion die Clubs, davor der Staat. So klar ist die Trennung in Großbritannien. Alles was vor den Stadiontoren an Polizeieinsätzen benötigt wird, zahlt der Staat. Das gilt auch für all die Einsätze, die unmittelbar ein Spiel betreffen, also etwa in Bahnhöfen oder auf dem Weg zum Stadion oder nach dem Spiel im Stadtzentrum. Fans und Clubs erwarteten das als Leistung für die gezahlten Steuern, sagt die englische Premier League dazu.

Alle Kosten innerhalb des Stadions muss der Club als Hausherr tragen, auch die für im Stadion eingesetzte Polizisten. Wie viele Sicherheitskräfte jeweils benötigt werden, entscheiden Kommunen und Clubs gemeinsam.

Weniger Konfrontationen in Spanien

Ähnlich ist das in Spanien. Die Clubs zahlen nur für die Sicherheit im Stadion, dann aber vor allem für private Sicherheits- und Ordnungsdienste. In Spanien ist es aber üblich, dass die Eintrittskarten überwiegend an heimische Zuschauer verkauft werden. Konfrontationen zwischen gegnerischen Fans sind eher selten.

In der Schweiz wird seit Jahren intensiv diskutiert über die Einsätze der Polizei. Rechtlich geregelt werden alle sicherheitsrelevanten Fragen im sogenannten "Hooligan-Konkordat". Diese Regelungen müssen aber in den einzelnen Kantonen abgestimmt werden. In der "Berner Modell" genannten Einigung verpflichten sich die Young Boys Bern, jährlich 2,5 Millionen Schweizer Franken für Sicherheitskosten rund um Fußballspiele aufzuwenden. In Zürich zahlen die Clubs FC und Grasshoppers einen Teil der Kosten, maximal jedoch 500.000 Franken pro Jahr.

Praktisches Modell in Frankreich

Zahlen müssen auch die französischen Vereine. Dort erfolgt die Abrechnung nach einem praktischen Modell. Für jeden Polizisten wird ein Satz von 20 Euro pro Stunde in Rechnung gestellt, der sich erhöht, wenn mehr als 50 Polizisten im Einsatz sind. Letztlich wird aber nur eine kleine Summe der tatsächlichen Rechnung verlangt, um die Existenz kleinerer Vereine nicht zu gefährden.

 

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