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Kritik an Politik und Polizei E-Mail
Geschrieben von: sid   
Donnerstag, 20. Mai 2010 um 15:31 Uhr

Fan-Gewalt: Scharfe Kritik an Politik und Polizei

Fussballfans

Frankfurt/Main. Scharfe Kritik an Politik und Polizei sowie die Forderung nach mehr finanzieller Unterstützung: Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) und der Sportsoziologe Gunter A. Pilz sind in der Diskussion über Gewalt im Fußball in die Offensive gegangen.

„Wenn von Politik und Polizei eine höhere Kostenbeteiligung an Sicherheitseinsätzen durch den Fußball gefordert wird, ist das falsch, fahrlässig und politisch verantwortungslos", sagte Pilz am Donnerstag in Frankfurt/Main. Der Honorarprofessor der Universität Hannover, der auch Mitglied der Ethik-Expertenkommission in der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ist, möchte lieber noch viel mehr auf Präventionsarbeit setzen.

Das sieht auch die KOS so. „Die Fördersumme aller Projekte ist zwar um 400.000 Euro auf knapp sechs Millionen Euro pro Jahr gestiegen. Aber wenn man diese Summe mal in Relation zu den Kosten von Polizeieinsätzen und für Security-Personal setzt, ist das eine enorme Diskrepanz", sagte KOS-Leiter Michael Gabriel und forderte „mehr finanzielles Engagement für Prävention".

Für Gabriel ist klar: „Wir können Sicherheit in den Stadien nur mit und nicht gegen Fans erreichen. Dort wo die Fan-Projekte bereits etabliert sind, halten sich Ausschreitungen in Grenzen. Und die Fan-Projekte sind die einzigen, die das Vertrauen der Anhänger haben und alle Beteiligten an einen Tisch bringen können."

Bei der Vorstellung des KOS-Sachberichtes wies Gabriel darauf hin, dass der im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit eigentlich festgeschriebene Standard von drei hauptamtlichen Mitarbeitern an den meisten Standorten der 47 Fanprojekte nicht erreicht sei. „Es fehlen unserer Ansicht nach noch rund 23 Stellen", sagte Gabriel: „Wir bohren dicke Bretter."

Die Diskussion über Fan-Gewalt hat sich nach Vorfällen in der abgelaufenen Saison der 1. und 2. Bundesliga verschärft. Allein am letzten Spieltag war es in Bochum, Düsseldorf und Bremen zu schweren Ausschreitungen gekommen. In Erinnerung sind auch noch die Jagdszenen von Zuschauern von Hertha BSC Berlin nach dem Spiel Mitte März gegen den 1. FC Nürnberg.

Pilz, der unter anderem das Fanprojekt in Hannover mit betreut, räumte ein: „Es gibt eine zunehmende „Event-Gewalt-Kultur bei Jugendlichen".

 

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